Geschichts- und Erinnerungstafel auf dem Friedhof Bülten
Auf dem Friedhof in Bülten erinnert eine Geschichts- und Erinnerungstafel an ein dunkles Kapitel der Orts- und Regionalgeschichte: die Zwangsarbeit, das Leiden von Kriegsgefangenen und die Todesopfer des Zweiten Weltkrieges. Die Tafel macht sichtbar, dass auch ein kleiner Ort wie Bülten unmittelbar von den Verbrechen des Nationalsozialismus betroffen war und dass sich hinter historischen Zahlen immer menschliche Schicksale verbergen.
Die Tafel entstand im November 2013 als gemeinsames Projekt der IGS Peine, des Heimat- und Bergbauvereins Klein Bülten von 1997 e.V., des Kreisheimatbundes Peine e.V. und des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.; der Text stammt von Dr. Jens Binner. Sie ist damit nicht nur ein Erinnerungszeichen, sondern auch ein Beispiel für gelungene lokale Geschichtsarbeit und für das gemeinsame Bemühen, Geschichte vor Ort sichtbar und verständlich zu machen.
Inhaltlich erinnert die Tafel an die Zwangsarbeit im Eisenerzbergbau der Ilseder Hütte in Klein Bülten. Im Jahr 1944 mussten dort unter anderem 64 „Ostarbeiter“, 30 Arbeiter aus Polen und Tschechien, 63 sowjetische Kriegsgefangene sowie 491 italienische „Militärinternierte“ arbeiten; mindestens zwölf italienische und sechs sowjetische Gefangene starben in Klein Bülten und wurden auf dem Gemeindefriedhof beigesetzt.
Besonders eindrücklich ist auch das Schicksal von Michail W. Kusnezow, dessen Lebensweg auf der Tafel beispielhaft nachgezeichnet wird. Seine Biografie steht stellvertretend für viele Menschen, die entwurzelt, verschleppt und unter unmenschlichen Bedingungen zur Arbeit gezwungen wurden.
Die Erinnerungstafel ist damit ein wichtiger Ort des Innehaltens, des Gedenkens und der Aufklärung. Sie mahnt dazu, die Folgen von Krieg, Gewalt und Unrecht nicht zu vergessen und sich für Frieden, Menschenwürde und Demokratie einzusetzen.



